Psychotherapie im Allgemeinverständnis 

Psychotherapie ist ein wissenschaftlich fundiertes Heilverfahren zur Linderung von psychischen, psychosomatischen oder psychosozial bedingten Leidenszuständen und Verhaltensstörungen . Eine psychotherapeutische Behandlung kann darüber hinaus das persönliche (akademische, berufliche etc.) Wachstum unterstützen und die eigene Lebensqualität sowie das zwischenmenschliche Beziehungsverhalten verbessern.

Psychotherapie als Selbstsorge – eine philosophische Betrachtung 

Was heute Psychotherapie heißt, wurde in der griechischen Antike bereits unter dem Begriff der Selbstsorge behandelt und war ein grundlegendes Thema der abendländischen Philosophie. Die antike Selbstsorge wurde allerdings nicht als Selbsterkenntnis im Sinne einer ausschließlich intellektuellen Reflexionstätigkeit verstanden, sondern als eine Praxis der guten Lebensführung.

Das Ziel des Philosophierens im Rahmen dieser Selbstsorge bestand folglich darin, sich selbst – in seinem Denken, in seinem affektiven Erleben und in seinem Handeln – in ein individuelles Verhältnis zur Wahrheit zu setzen . Denn die Suche nach der Wahrheit wurde mit der Vervollkommnung des eigenen Seins in Verbindung gebracht: Das eigene Selbst sollte sich an der Wahrheit ausrichten, um sich in seinem Sein zu wandeln, um in weiterer Folge über sich hinauszuwachsen und so zu einer schöneren und lebenswerteren Existenzweise zu gelangen.

Die Suche nach Wahrheit und Wissen im Rahmen der antiken Selbstsorge war also stets verbunden mit einer gelebten ethischen Praxis – sie hatte für den Menschen einen deutlichen Bezug zu seiner persönlichen Lebensführung. Dieses dynamische Ineinandergreifen von Wahrheitssuche und Lebenspraxis, das in ein Verhältnis zum eigenen Sein und zum eigenen Werden gebracht wird, ist ein Prinzip, das man auch im Geschehen spätmoderner Psychotherapien wiederfindet: Denn es geht eben nicht nur um Selbsterkenntnis oder um Wahrheitssuche im reflexiven Sinn, sondern um einen tiefgreifenden Lebens- und Seinswandel sowie um ein individuell erworbenes Wissen, das sich in der Praxis – also in der alltäglichen Lebensbewältigung – bewähren soll.

 

Mehr zum Thema „Selbstsorge in der Antike“ findet man in den Spätwerken des französischen Philosophen Michel Foucault.